VITA FRATRIS HROZNATAE

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Leben des seligen Hroznata

Gründers der Klöster Tepl und Chotieschau

1. Prolog

Damit wir den Glanz des kostbaren Steines den Menschen zur Bewunderung hinstellen, und nicht nur zur Erleuchtung, sondern auch zum Vorbild für die Kämpfer Gottes, die im Hause des Herrn in Eintracht einherschreiten, das Licht auf dem Leuchter befestigen; der wonnige Duft der Tugend des ehrwürdigen Vaters Hroznata seligen Angedenkens, des ruhmreichen Gründers der Klöster von Tepl und Chotieschau, der auf wunderbare Weise bis zu fremden Völkern strahlt, hat meine Unzulänglichkeit aufgemuntert, damit ich, mich auf die Hilfe Gottes verlassend, seinen vortrefflichen und verdienstvollen Lebenswandel sowie die Märtyrerpalme, mit der er sich glücklich zum Herrn begab, mit einem wenn auch einfachen Stil zur Belehrung der Gegenwärtigen und zur Erinnerung der Zukünftigen darlege und den Leser um Nachsicht für ein so unvollkommenes Werk bitte.

2. Über die hohe Herkunft und die Tugenden dieses Gründers

Als der König Pøemysl, mit dem Beinamen auch Otakar, im Königreich Böhmen glücklich herrschte, nahm Hroznata, aus einem berühmten Fürstengeschlecht stammend, am königlichen Hof nach der Majestät des Königs unter anderen Magnaten des Königreichs, den ersten Platz ein. Die Erhabenheit seines Geschlechtes schmückte er mit Tugenden und ehrenhaften Sitten, überragte andere durch Weisheit und hochgeborene Abstammung und wurde von allen in hohen Ehren gehalten. Er war mit großem Besitz und mit Kenntnissen begabt, weise und freigiebig milderte er mit seinen Gütern das Darben Nächsten und der Armen. Er war ein freundlicher Tröster der Bekümmerten und Unterstützer der Notleidenden, und unter dem Mantel des Ritters verbarg er das Gebot der Religion. Er gab mit Eifer Gott, was Gottes ist, und mit seiner Treue und seinem Gehorsam dem König, was diesem gebührte, sowie jedermann mit Freundlichkeit das, was ihm zustand.

3. Über die Ehe

Seit der zarten Jugend ergab er sich der Gottesfurcht und Liebe zu Gott, und als er schließlich das Jünglingsalter erreichte, heiratete er eine Tochter aus erhabener Familie, mit der er einige Jahre lang lebte, bis ihm schließlich durch Gottes Gnaden aus dem Schoß seiner Gattin ein Sohn von schöner Gestalt geboren ward. Und so sah er seine Sehnsucht erfüllt und hoffte, einen Erben für seine Güter zu haben. Jedoch Christus, der selber Hroznatas Erbe sein wollte, hat es nicht so vorausbestimmt; was auch geschah, wie es sich aus dem Folgenden klar ergeben wird. Denn das Söhnchen lebte nur eine kurze Zeit und starb. Die Mutter jedoch, die ihn als Einzigen hatte, des Trostes ihres Erstgeborenen beraubt, weinte und jammerte über den Tod des Kindes und schlief selbst im Frieden Christi ein.

4. Über das Gelübde der Keuschheit

Hroznata, ein Mann von tapferem und festem Geist, hörte bald auf, den Tod seiner Frau und seines Sohnes zu beweinen und zu beklagen und wandte seine Gedanken an den Herrn und überlegte weise, wie er mit den großen Gütern, die ihm von Gott anvertraut wurden, vernünftig verfahren sollte, damit dies dem Auge Gottes gefallen möge. Als er darüber sorgfältig nachdachte, kam ihm das Wort des Apostels in den Sinn: "Bist du ohne Frau, dann suche keine". Und so im Vorhaben der Keuschheit bekräftigt, erinnerte er sich im Herzen an die Wankelmütigkeit der Welt und an die Kürze des menschlichen Lebens.

Und bald verwandelte er sich zu einem vollkommenen Mann, bis zu den Wurzeln seines Herzens gab er alle Hoffnung auf, die er in die Welt gelegt hatte, und sehnte sich nach keiner Frau und leiblichen Kindern mehr, noch nach Würden und Schätzen der Welt, sondern er sah zu, wie er Gott allein gefallen möchte. Er wünschte, der Herde anzugehören, die der Herr im Evangelium folgendermaßen anspricht: "Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben." Und weil die Gnade des Heiligen Geistes keine langen Aufschübe kennt, hat er, was er aus der Eingabe des Herrn im Herzen begann, mit dessen Hilfe ohne Furcht in die Tat umgesetzt.

5. Über Annahme des Kreuzes und Reise nach Rom

Wie Hroznata einst unvergleichlich sorgfältig bei der Verwaltung der zeitlichen Dinge gewesen war, so wurde er nun, nachdem ihn die Hand des Höchsten verwandelt hatte, über menschliche Erwartung Gott ergeben. Er bedachte die Wahrheit der Worte des Evangeliums, das sagt: "Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet", sowie anderswo: "Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig." Darum bezeichnete er sich mit dem Zeichen des Kreuzes des Herrn, sehnte sich im Herzen danach, sich aus Liebe zur Passion des Herrn ins Heilige Land, nach Jerusalem, zu begeben und so die Worte des Psalmisten, der da sagt: "Gott nahe zu sein ist mein Glück. Ich setze auf Gott, den Herrn, mein Vertrauen " mit Tat zu erfüllen. In dieser beständigen übergroßen Liebe, die Gott ist, harrte er fest aus und nachdem er Geld gesammelt hatte, verließ er mit seinem Gefolge den Boden seiner geliebten Heimat und begab sich auf den vorgenommenen Weg. Jedoch, als er an das Gestade des Meeres kam, sah er mit Angst auf die Weite des Ozeans, auf das Tosen der Wellen, auf die schwierige Überfahrt, und dachte furchtsam nach, was er zu tu hätte.

6. Über den Besuch der Apostelgräber

Endlich, von Kleinmut überwältigt und vor Schrecken gelähmt, der auch einen Helden erfasst hätte - damit ich es so sage: "Er sah das Meer und floh". Jedoch des Gelübdes seiner Wallfahrt eingedenk, das er aus freiem Willen geleistet hatte, und wissend, dass keiner, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, für das Reich Gottes taugt, beschloss er, nach Rom zu gehen. Er sehnte sich mit gierigem Herzen, die Gräber der Apostel zu besuchen und dort den Rat des höchsten Bischofs über die Beschaffenheit seines Standes und seines Vorhabens zu hören. Und er begab sich geschwind von dannen und dem Friedensengel folgend kam er bald munter in der Ewigen Stadt an. Dort wurde er vom Papst Coelestin in Ehren empfangen, der damals das Schiff der Kirche in den stürmischen Wogen der Welt lenkte. Diesem erzählte er den Grund seiner Ankunft und erhielt einen ernsthaften Rat vom Papst und wurde vom Trost gestärkt, als Seine Heiligkeit gesagt hatte: "Keineswegs übertritt sein Gelübde derjenige, der seine Erfüllung mit der Bewilligung des päpstlichen Stuhls aufschiebt, noch wird derjenige für seines Gelübdes abtrünnig gehalten, der eine zeitweilige Wohltat gegen einen ewigen Dienst an Gott eintauscht. Deswegen, auch wenn jedermann frei steht, ein Gelübde abzulegen, ist er doch nach dem Versprechen des Gelübdes verpflichtet, es zu erfüllen, so dass niemand unter dem Verlust des eigenen Heils von seinem Gelübde abstehen darf, es sei denn, er wäre durch eine weise Freisprechung eines Vorgesetzten davon befreit. Weil es uns geboten erscheint, stellen wir fest, dass in diesem Fall die Ersetzung des Gelübdes besser und Gott angenehmer ist als die Wallfahrt. Deshalb sprechen wir dich aus unserer Machtvollkommenheit von dem Gelübde frei, nach Jerusalem zu wallfahrten, unter der Bedingung, liebster Sohn, dass du zu Ehren der übergebenedeiten Jungfrau, der Mutter Christi, ein Kloster gründest, in dem die Regel des Prämonstratenserordens eingehalten werde, und dass du es reichlich begabest, damit es für viele zu einem Ort für die geeignete Verherrlichung Gottes und den Dienst an ihm werde sowie zu einem besonderen Ort des Trostes für diejenigen, die trauern und Buße für ihre Sünden tun.

7. Über die Geschenke an den Papst und an die Kardinäle sowie über die Rückkehr nach Böhmen

Der berühmte Mann Hroznata hörte eifrig, mit frischem und festem Mut, die apostolischen Worte, die mit höchster Urteilskraft gesprochen wurden. Er fiel dem Papst zu Füßen und benetzte sein Gesicht mit Tränen und stattete ihm fromm und demütig Dank für den Trost ab, den sein unruhiger Geist von der freundlichen väterlichen Antwort empfing, und für die Beruhigung seines Gemüts. Und er nahm um so eifriger den ihm gegebenen heilsamen Rat an, je größer seine Möglichkeit und Hoffnung war, dass er ihn zu erfüllen vermochte, zumal er zu jener Zeit durch hohe Abstammung und Besitz alle Tschechen übertraf. Er gab also Geschenke dem obersten Priester und beschenkte freigiebig auch die Herren Kardinäle und empfing den Segen, verließ Rom und durch die heilsame Veränderung seines Gelübdes erfreut, begab er sich frohgemut nach Böhmen.

8. Über die Gründung des Klosters Tepl

Nach einer glücklichen Reise kam er nach Böhmen, in seine liebe Heimat, vergönnte dem von der Reise ermüdeten Körper ein wenig Ruhe und begann nach einer geeigneten und angenehmen Stelle zu suchen, wo man den ersten Grundstein eines Klosters zum Lobe Gottes und der glorreichen Jungfrau legen könnte. Und nachdem er die Stelle gefunden hatte, wo heute das hohe Kloster emporragt, fiel er zu Boden und sagte: "Du, der Du geruhtest von der Jungfrau geboren zu werden, bereite hier eine Stätte vor, die zum Dienst an Dir geeignet sein wird." Und er erhob sich vom Gebet, griff nach einer Spitzhacke, grub in die Erde und trug als erster einige Körbe mit Erde auf seinen Schultern weg. Er setzte den Namen "Tepl" fest, nach der unweit gelegenen Stadt, die die Bewohner allgemein als "Tepl" bezeichneten. Uns so ist das Kloster an dem besten Ort gegründet, denn seine Lage ist ein wenig erhaben, auf einer Seite mit Wäldern und Wiesen umsäumt, auf allen anderen von verschiedenen Blumen geschmückt, inmitten fließt ein Wasser, das die Landschaft befeuchtet und viele Fische bietet, Mühlräder antreibt, ein zum menschlichen Wohnen geeigneter und gesunder Ort, zum Ordensleben überaus geeignet; ich sage, ein Ort voll von Gottes Gnaden, wo die Streiter Gottes aus guten bessere und aus besseren die besten werden, in Tugenden zur Vollkommenheit voranschreiten, wie die Ergebnisse klarer als das Licht zeigen. Denn beim Wachsen des Ordens, wie jung auch diese Pflanze ist, gedeiht sie doch und wird größer unter den anderen Klöstern dieses Ordens durch bauliche Schönheit, Güter und Einkünfte mit Gnade Gottes vortrefflich, und da spreche ich nicht über die Kirche der Mutter Gottes, seiner Schutzheiligen, die mit wunderbarer Schönheit in die Höhe ragt, mit festen und hohen Mauern umgeben ist und sich auf feste und schöne Säulen stützt. Drinnen prunkt sie dann mit Verzierungen und zeichnet sich durch wohltönende Glocken aus, so dass man allgemein sagt, dass es in der ganzen Umgebung nichts Vortrefflicheres gab noch jemals geben wird. Jedoch die Kirche hätte von sich selbst dem Schöpfer aller Dinge nicht gefallen können; deshalb wurde sie, damit sie noch mehr und würdiger prunken könnte, mit einer stattlichen Anzahl von Lobsprechenden versehen, die das Lob Gottes in Psalmen singen, sowie mit einer entsprechenden Anzahl von Dienern im Prämonstratenserorden, die nach der Regel des heiligen Augustin lobwürdig leben.

9. Über die Einweihung des Klosters

Eya, Brüder, die ihr eure Ohren auf das Buch gerichtet habt und das Herz hoch zu Gott, ihr, die ihr von der Mutter der Barmherzigkeit zu Dienern oder vielmehr zu Söhnen gewählt wurdet, hört nun aufmerksam und lobt einstimmig euere Fürsprecherin. Denn als die Kirche zu Tepl vom würdigen Vater, dem seligen Herrn Johannes, Bischof der Prager Kirche, im Monat August geweiht wurde, geschah von Gott ein Zeichen am Himmel, für uns wunderbar und für unsere Nachkommen erinnerungswürdig. Über der Kirche der Mutter Christi blieb nämlich ein überaus klarer Stern stehen, den alle Anwesenden mit Bewunderung ansahen; und zwar besonders zu der Zeit, als die Sonne am glühendsten und die Luft am klarsten zu sein pflegt. Dieser Stern gab lange Zeit die Strahlen seines Lichts, nicht nur bis zur Beendigung der Zeremonie der Klosterweihe, sondern er blieb auch den ganzen Tag nach der Einweihung der Kirche den Menschen sichtbar, bis er schließlich in der folgenden Nacht das Licht seiner Strahlen mit dem der anderen Sterne vermischte. Also, Brüder, was anderes sollte der Stern bedeuten, wie wir glauben, als die Gnade Gottes, die uns auf die Fürsprache der Gebärerin Gottes vorangeht und uns folgt? Auch durch diesen Stern können wir die Mutter des Herrn erkennen, die ihre Diener, die in der Bitterkeit dieses Meeres streiten, auf die Bahn des Friedens lenkt und in den Hafen bringt. Besonders euch, ihre Diener im Kloster Tepl, wo dieser Stern erschienen ist, die ihr in der Ordenszucht den geistigen Kampf führt. Deshalb harrt tapfer im Kampf aus und ihr werdet das ewige Himmelreich erlangen.

10. Über die Gründung des Klosters Chotieschau sowie über die Voraussage

Zur gleichen Zeit stiftete er das Kloster Chotieschau zu Ehren des Heiligen Wenzels, Herzogs, Märtyrers, und böhmischen Schutzheiligen, und stattete es reich aus und schmückte es mit den notwendigen Dingen und stellte einen Chor von Frauen auf, die darin unter der gleichen Regel dem Herrn dienen sollen. In diesem Kloster lebte lange Jahre auch Frau Vojslava, Hroznatas eigene Schwester, die nach dem Tod ihres Mannes, des Präfekten der Stadt Krakau, die Keuschheit der Witwe bewahrte, ein heiliges Leben führte und eine angemessene Kleidung trug, wie sie solche Witwen trugen; sie übte in der Schwesterngemeinde die Würde der Schirmerin und Beschützerin über viele Jahre aus. Schließlich verschied sie friedlich in Christus. Ihr Leib ist dort in der Mitte des Klosters mit Ehren bestattet worden.

Als er die oben genannten Klöster erbaut und mit Gütern ausgestattet hatte, kehrte er wieder nach Rom zurück. Er erbat sich dort die Audienz beim höchsten Bischof, legte ihm ehrerbietig dar, wie er die erwähnten Klöster erbaute und versorgte, und bat demütig, sie mit allen ihren Zugehörungen unter einen besonderen Schutz des Heiligen Stuhls zu stellen. Er bat auch, dass den künftigen Äbten jenes Klosters durch die gewohnte Gnade des Heiligen Stuhls erlaubt würde, die bischöfliche Infel zu tragen. Als der Papst die Zuverlässigkeit und die Beständigkeit des Bittenden sah und seine eifrige Frömmigkeit und große Freigebigkeit bedachte, entsprach er der Bitte und nahm alles unter einen besonderen Schutz des Apostolischen Stuhls auf. Und er stattete das Kloster Tepl mit vortrefflichen apostolischen Privilegien aus, womit das Kloster alle Klöster des gleichen Ordens in Böhmen übetraf, und lobte die Sitten und den Fleiß des Ritters.

Der tapfere Hroznata, von solch hoher Gunst des Apostolischen Stuhls geehrt, wollte Gott dienen, und sich nicht nur teilweise, sondern ganz Gott als Opfer darbieten; deswegen zögerte er nicht lange und erbat sich aus der Hand des Papstes das Kleid des Prämonstratenserordens und hat es dort auch empfangen.

Mit dem Ordensgewand bekleidet und vom Segen des Apostolischen Stuhls erfreut, umarmte und küsste er die Füße des Papstes und bedankte sich für alle Wohltaten, nahm Abschied und kam hinaus zu seinen Freunden, aus einem Ritter zu einem Ordensbruder gemacht. Die Ritter erwarteten ihn vor dem Tor und mit schwerem Gemüt schauten sie das verwandelte Kleid ihres Herrn an, wunderten sich über diese jähe Verwandlung und begannen zu weinen und zu klagen. Sie jammerten wie mit einer Stimme: "Warum verlässt Du uns, Vater, warum nimmst Du uns unser Leben weg? Werden wir denn leben können, des einzigen Trosts nach Gott beraubt? Es wäre wahrlich für uns besser gewesen, wenn wir in der Heimat mit dem Schwert umgekommen wären, als dass wir in der Fremde des Beschützers beraubt würden. Warum hast du uns aus der Heimat herausgeführt und als Waisen hinterlassen?"

Aber er behielt unter den Klagenden das Kleid und das Angesicht eines Engels, wandte sich zu ihnen und sprach: "Hört auf, Tränenbäche zu vergießen, als würde dieser Wandel nicht vom Willen Gottes kommen; es steht ja geschrieben: "Ohne mich könnt ihr nichts tun. Deswegen lobt lieber den Herrn in seinen Werken, der gleichermaßen das ruft, was nicht ist, wie auch das, was ist." Unter solchem Gespräch kamen sie in die Herberge, wo sie wohnten. Dort wurde allen, die die Freundlichkeit des Bruders Hroznata genießen wollten, ein solcher Überfluss an Essen und Trinken geboten, dass die Kunde über seine Gastfreundschaft von Tag zu Tag wuchs.

Als alles gut gelungen war, kehrte der neue Krieger der kämpfenden Kirche nach Hause. Nachdem er nach Böhmen gekommen war, erkundigte er sich, in welcher Region des Landes sich der berühmte König Pøemysl aufhalte. Und er begab sich zu ihm und trat im neuen Kleid vor ihn hin. Der König Pøemysl erhob sich aus angeborener Freundlichkeit von seinem Thron und küsste den Bruder Hroznata, setzte ihn zu seiner Rechten und fragte sorgfältig nach der Weise seiner Bekehrung. Der Bruder Hroznata sprach über dies und jenes, bis er schließlich vor dem König niederkniete und die Königliche Gnade erbat, die Königliche Macht möge das, was er durch die Eingebung Gottes unter dem Schutz des Apostolischen Stuhls versprochen und geleistet hatte, bestätigen und mit Privilegien bekräftigen.

Auch alle anwesenden Magnaten des Königreichs standen auf und warfen sich mit dem Bruder Hroznata zu Füßen der Königlichen Majestät und baten für ihn rufend, der fromme König werde sicher das tun, was die Frömmigkeit rät und der Anstand befiehlt. Der gütige König entsprach ihrer Bitte und nahm alle Güter der oben genannten frommen Orte unter seinen Schutz und bestätigte dies mit den Privilegien seiner Hoheit. Deshalb priesen alle mit gebührendem Dank die königliche Freigebigkeit und ehrten den Bruder Hroznata mit großen Ehren und lobten einmütig Gott, den Urheber alles Guten, der seine Diener auf Erden auf eine erstaunliche Weise verherrlicht und im Himmel feierlich krönt.

11. Über die Rückkehr zu den Seinen

Der Gott ergebene Mann, Bruder Hroznata, froh, dass sein Wunsch erfüllt worden war und dass ihm die Gnade des Königs so entgegengekommen war, nahm seinen Abschied und ging in Begleitung der Vorderen des Königreichs bis zu der Stelle, wo ihn die Schar seiner Reiter erwartete. Und sie wünschten ihm alles Gute. Er dankte ihnen unermesslich, schwang sich auf sein Pferd und begab sich auf den Weg. Nach einer kurzen Zeit erhob er die Arme gen Himmel, lobte die Gnade des Erlösers, mit der ihm dieser in allen seinen Taten barmherzig beigestanden war, und bat lange mit Tränen in den Augen, dass Gott, der das gute Werk anzufangen geruhte, es auch vollenden möge. Und so kam er auf seine väterlichen Güter und wurde von allen Verwandten und Freunden empfangen, die sich über sein Kleid wunderten und vor Freude weinten, dass er gesund zurückgekehrt war. Ähnlich freudig wurde er auch in seinem Kloster Tepl empfangen. Im Kloster war er Gott und dem Ordensgelübde zufolge auch dem Vorgesetzten gehorsam.

Außer diesen und weiteren gottgefälligen Taten, die er vollbrachte, weil die Gnade des Heiligen Geistes keine Hindernisse kennt, wurde er auf Geheiß des Tepler Abtes Johannes, wenn auch ungern, aber doch in heiliger Gehorsamkeit, als Propst und Verwalter der vorgeschriebenen Klöster eingesetzt. Er übte seine Pflichten sorgfältig aus und war in seiner bemerkenswerten Beständigkeit ein Beispiel der Demut, des bereitwilligen Gehorsams und der beständigen Geduld für diejenigen, die auf ihn schauten.

Aber weil der Feind des menschlichen Geschlechts, der die Guten um ihre Taten beneidet, die Zwietracht sät, ist Hroznata Unrecht und Schmach vom erwähnten Abt angetan worden. Er hat jedoch der Verfolgung den Schild der Geduld entgegengesetzt und ehe er sich irgendwie gegen den Gehorsam versündigt hätte, verließ er für eine Zeit das Kloster, behielt jedoch das Kleid und wich nicht von der Ordenszucht ab, bis endlich die Eigenwilligkeit des Abtes den Ermahnungen der Freunde und dem Druck der Mächtigen weichen musste; danach wurde er wieder in das Kloster in Ehren zurückberufen und wurde von den Brüdern mit einem Jubelgesang begrüßt: "Hochersehnt bist du gekommen".

Wenden wir uns schließlich der Beschreibung des Sieges, des Lebenslaufes und des Endes dieses tapferen Kämpfers sowie der Wunder zu, die Gott durch ihn im Leben und im Tod rühmlich zu tun geruhte, damit wir in der Erzählung nichts unterlassen, womit wir die Größe Gottes loben und die Verdienste seines Erwählten Hroznata gebührend erheben.

Die Frau Vojslava selbst, über die wir oben gesprochen haben, erzählte zu ihren Lebzeiten und zahlreiche glaubwürdige Menschen hörten es und behaupteten Dinge, über die wir hier getreu berichten. Zuerst also über seine Geburt aus der Mutter, weil er vorzeitig und fast tot auf diese Welt kam. Als seine Mutter, vor der toten Frucht erschrocken, bat, soweit es ihr ihre geschwächten Kräfte erlaubten, man möge diese schnellstens von ihren Augen wegbringen und bestatten, nahm die Hebamme, die der hochgeborenen Gebärerin diente, den toten Knaben auf die Arme und rief ihrer Frau immer wieder zu: "Nimm, Frau, das Kind in die Arme und opfer es der seligen Maria, Mutter Christi, durch deren Frucht diese Welt beleuchtet und belebt wurde." Als die glaubenserfüllte Frau dieses und Ähnliches ihrer Herrin einige Male wiederholte, nahm diese endlich, durch den Eifer der Fürsprecherin genötigt, mit Schrecken den toten Körper des Knaben in die Arme, kniete nieder, erhob mit Weinen Augen und Arme gen Himmel und betete mit ergebenem Herzen: "Herr Jesus Christus, der du geruhtest für die Erlösung des menschlichen Geschlechtes aus der Jungfrau geboren zu werden und zu sterben, um der zum ewigen Tode verurteilten Welt das Leben zu geben, gib, bitte, diesem toten Kind das Leben zu Ehren und Ruhm deiner jungfräulichen Mutter, der ich es opfere, sowie zum Lob deiner Majestät, du, der du auf ewige Zeiten gesegnet bist!" Ein wunderbares Ding und lobwürdiger Ruhm Gottes! Denn nach diesen Worten wurde der Körper, unlängst noch kalt und steif, warm und weich, und der von Gott zum Leben erweckte Knabe öffnete die Augen und tat sich wie jedes Kleinkind mit Weinen kund. Nachdem die Mutter die Stimme ihres Kindes gehört hatte, wunderte sie sich und freute sich dermaßen, dass sie den Knaben der Hebamme reichte, sich mit Weinen und Seufzen zu Boden warf, demütig Gott dankte und die Mutter der Barmherzigkeit mit würdigen Worten pries, dass sie die in sie Hoffenden nicht verlässt und dass deren Sohn das Leben und die Auferstehung der Toten ist.

Auch über ein anderes großes Wunder möchten wir hier erzählen. Die Frömmigkeit ermahnt es anzuerkennen und die Wahrheit fest daran zu glauben. Als nämlich einst Hroznatas Mutter mit ihrer Tochter Vojslava mit dem Wagen fuhr und dabei das Söhnchen auf dem Schoß hielt, gab sie es Vojslava zu halten, aber das unaufmerksame Mädchen ließ es vom Wagen fallen. Und das zarte Kind geriet unter die Räder, aber nach Gottes Ratschluss entkam es unbehelligt, wofür Christus dem Befreier Lob gezollt wurde.

Unter anderen merkwürdigen Ereignissen und Wundern trug sich auch dieses Besondere zu: Hroznatas Schwester heiratete den Präfekten der Stadt Krakau, wo der heilige Märtyrer und Bischof Stanislaus mit prächtigen Zeichen und Wundern bis in unsere Zeiten strahlt. Dorthin begab sich Hroznata, bereits ein hoffnungsvoller Jüngling, zu seiner Schwester und spielte mit gleichaltrigen Jungen am Fluss Weichsel. Er wurde von Wellen erfasst und blieb als Ertrunkener von der dritten Stunde bis zur Dämmerung unter dem Wasser. Endlich erfuhr es seine Schwester. Fast außer sich, nur leicht bekleidet, eilte sie schnell zum Fluss und zitterte vor Angst um das Leben des Bruders. Als ihr die Stelle gezeigt wurde, wo der Jüngling untergegangen war, befahl sie, man solle mit verschiedenem Fischerwerkzeug versuchen, wenigstens die Leiche herauszuziehen. Aber es war vergeblich. Es kamen junge Männer, die schwimmen konnten. Sie zogen ihre Kleider aus und tauchten in die Tiefe. Und siehe da, einer zog Hroznata an den Haaren aus dem Wasser heraus und legte ihn an das Ufer vor die Frau, die zuschaute, wie alles enden würde. Welche Freude die Schwester empfand, dass ihr einziger Bruder lebendig war, kann derjenige ermessen, dem etwas Ähnliches widerfahren ist. Und nachdem sie zu weinen aufhörte, fragte sie, wie er eine so lange Zeit unter dem Wasser habe leben können. Er antwortete, dass ihm schien, als würde eine Frau von wunderbarer und jungfräulicher Gestalt ihre Hand über sein Haupt halten, solange er im Wasser war, und ihn nicht von den Wellen verschlingen lassen. Und er glaube, es sei die Mutter der Barmherzigkeit, die Mittlerin zwischen Gott und Menschen, gewesen. Deshalb erklangen zu Ehren der Jungfrau fröhliche Gesänge der Freude. Und seit diesem Augenblick nahm sich Hroznata vor, dass er der seligen Jungfrau, seiner Retterin, dienen werde, was er später auch erfüllte, indem er ihr sich selbst und all sein Gut übergab.

Als im Laufe der Zeit Vojslavas Gatte starb, verblieb sie im Witwenstand, und wie oben angezeigt, begab sie sich auf die Güter ihres Bruders nach Chotieschau, bedachte alles, was die mächtige Gnade Gottes im Bruder Hroznata bewirkte, und wollte bei ihm sowohl im Leben als auch im Tod sein. Als sie dann in Chotieschau dem Herrn fröhlich im Witwenkleid diente, trug es sich zu, dass ihr Bruder Hroznata von schwerer Krankheit heimgesucht wurde, dort darnieder lag und von den Schwestern getröstet wurde. Und es geschah ein seltsames Ding, ein wundersames, die Voraussage der künftigen Dinge. Er hat nämlich wie in einer Entzückung laut gerufen: "Man nimmt mich gefangen, gefangen führen mich die Feinde." Die Schwestern wunderten sich sehr über diese Worte und antworteten, dass er in keiner Gefangenschaft sei, sondern im eigenen Hause liege, aus Gottes Willen krank. Es geschah jedoch, was er im prophetischen Geist gesagt hatte. Denn als er nach kurzer Zeit genesen war, beichtete er am Tag von Christi Himmelfahrt und ermahnte die Brüder mit wahrer Reue, sie möchten für ihn singen und beten. Ergeben und demütig, mit Tränen in den Augen empfing er vom heiligen Altar den Leib und das Blut Christi, war so reumütig, als sollte er schon seinen Geist aushauchen. Nachdem er den Segen des Abtes und des Konvents empfangen hatte, begab er sich nach Hroznìtín, um die Güter des Klosters zu besichtigen.

Jedoch als einige Neider aus der Egerer Region, die ihn deswegen hassten, weil er die Klostergüter gegen ihre Angriffe tapfer verteidigte, in Erfahrung brachten, wo er sich befindet, nahmen sie ihn gefangen, verschleppten ihn nach Deutschland, warfen ihn in einen Kerker und marterten ihn mit Hunger, Durst, Kälte und verschiedenen bitteren Qualen, damit sie ihm Geld entlockten. Aber er ertrug alles geduldig für den Namen des Herrn, blieb ruhig, und in der Drangsal betete er ständig, Gott möge ihn zu sich mit der Märtyrerpalme berufen. Der Abt und die Brüder des Klosters Tepl, ihres Vaters und Beschützers beraubt, trieben mit Schmerz und Weinen eine immense Geldsumme auf und wollten sie für seine Auslösung verwenden. Er begehrte jedoch, für den süßesten Christus das süße Leben zu geben, wählte lieber den Tod, als dass er sich zum Schaden seiner neuen Pflanzungen auslösen ließe. Deshalb beschwor er den Abt und die Brüder bei Gott und gebot, sie dürften für die Auslösung seines Lebens keinen einzigen Denar ausgeben. Er begehrte zu sterben und zu Christus zu gelangen; deshalb bat er, sie möchten ihn nicht daran hindern, das Märtyrertum zu erlangen, und so für seinen König als verdienstvoller Streiter kämpfend, schritt er dem Tode entgegen. Und er betrat mit der Märtyrerpalme den Himmel, um mit Christus in Ewigkeit zu herrschen.

Nach dem Tode des überaus tapferen Streiters Christi und des Bekenners, des Mitglieds des Ordens, entstand ein großer Kummer unter den Menschen, besonders unter denen von Tepl. Die Söhne beweinten ihren Vater, die Brüder ihren Bruder, die Klöster ihren Gründer, alle riefen mit Seufzen: "O du frommer Vater Hroznata, wer war demütiger, wer sorgfältiger, wer gehorsamer als du? Hast du denn nicht einst Feindschaft und Verfolgung vom Abt Johann, den du uns als Vorgesetzten eingesetzt hast, ertragen? Hast du etwa die Geduld verloren, als du von ihm Kränkungen und Schmach erlittest? Wer hat das je gehört, wer hat je etwas Ähnliches gesehen? Du, Gründer und reicher Gönner der Klöster, Erbe, Herr und Beschützer, hast uns solch ein großes Beispiel der Geduld hinterlassen! O, selige Seele, die den Kampf bis zum vollständigen Sieg geführt hat! Wenn der Tod das Ziel aller Dinge ist, konntest du keine größere Liebe haben, als dass du dein Leben für Christus, für deine Brüder und Freunde gegeben hättest. Durch deine Geduld hast du deinen Geist überwunden und du hättest auch ohne Blutvergießen Märtyrer werden können, indem du Widerwärtigkeiten tapfer ertrugst. Du hast jedoch, damit dir nichts fehlte, als ein guter Hirte das Leben für deine Schafe gegeben." So und auch anders zeigten sie den Schmerz ihres Herzens und riefen einmütig: "Lasst uns eilen und den Leib des viel geliebten und seligen Vaters in den mütterlichen Schoß zurückbringen!" Und sie gaben für seinen Leib so viel Geld, dass derjenige als Toter ausgelöst wurde, der bei seinem Leben nicht ausgelöst werden wollte.

Sie zogen den toten Leib aus dem Unrat des Kerkers hervor, betrachteten ihn aufmerksam bei Lichte und fanden alle Glieder unversehrt; er hatte das Ordenskleid an, das er zu seinen Lebzeiten trug, um die Lenden geschnürt. Der Körper wurde auf einen Wagen gelegt und in Ehren ins Kloster Tepl gebracht. Dort wurde er feierlich begrüßt und nach der Vollendung der gewohnten Begräbniszeremonien vor dem Hauptaltar bestattet. Er erlangte Ruhe und ewige Ehre. Hier scheint es uns geziemend, kurz die Wunder dieses ehrwürdigen Vaters zu erwähnen, wie sie uns aus der wahrheitsgetreuen Überlieferung unserer Vorfahren im Gedächtnis blieben. In der gleichen Nacht, als er, vom Herrn gerufen, gestorben ist, erschien er seinem Diener, der in eisernen Ketten im Kerker schmachtete, in solch einem prachtvollen Gewand, dass der ganze Kerker von gewaltigem Licht erleuchtet wurde. Der Gefangene wunderte sich über die Klarheit des Angesichts seines Herrn. Und der Mann Gottes sprach: "Steh schnell auf und gehe zu meinen Brüdern nach Tepl und sag ihnen, sie sollen um meine Auslösung keine Sorge mehr tragen, denn ich habe mich bereits als Bekenner Christi aus diesem Leben begeben; sie möchten meinen Körper von hier ins Kloster übertragen und kirchlich bestatten."

Nach diesen und ähnlichen Worten des Mannes Gottes wurden wie von Zauberhand alle Fesseln des Dieners gelöst; und er stand auf und sagte zu seinem Herrn: "Ja, ich werde tun, wie du mir geboten hast. Jedoch, wie komme ich aus dem verschlossenen Kerker heraus, denn es gibt überall Wachposten, die in der Nacht die Mauern bewachen?" Und jener sagte: "Der, der den von Ketten befreiten heiligen Petrus ohne Unheil aus dem Kerker hinausgehen ließ, wird dich auf den Weg des Friedens bringen." Dies gesagt, verschwand der Mann Gottes.

Der Diener wähnte, er habe eine Vision und dachte nach, was er tun sollte. Schließlich kam er zu sich, segnete sich mit dem heiligen Kreuz und ließ sich durch das Fenster aus dem überaus hohen Turm hinunter. Als würde er auf Armen getragen, entkam er ohne Schaden. Er dankte Gott, dass er ihn aus der Not unbehelligt rettete. Aus dem schrecklichen Kerker auf diese Weise befreit, erhob sich der Diener, begann zu laufen und eilte ins Kloster. Dort erzählte er dem Abt und den herbeigelaufenen Brüdern nacheinander alles, was geschehen war, und wie er durch die Erscheinung des Bruders Hroznata im Kerker von den Fesseln befreit wurde.

Noch ein anderes vortreffliches Wunder vollbrachte der Mann Gottes, als er bereits im Grabe ruhte. Nämlich die mit Öl gefüllten gläsernen Lampen, die zwischen dem Hauptaltar und seinem Grab hingen, fielen auf die Erde, und obwohl der Fußboden mit Steinen ausgelegt war, zerbarsten sie nicht.

Wenn es die versprochene Kürze dieser Beschreibung nicht wehren würde, könnten wir mehrere solche glaubwürdige Dinge erzählen und an sie erinnern, damit geglaubt würde, dass im Himmel derjenige lebt, der auf Erden mit so vielen Staunen erweckenden Wundern prangt.

Lasst uns also, Brüder, das jährliche Gedächtnis dieses ehrwürdigen Vaters so ehren, dass es für uns durch die Nachfolge beständig wird. Lasst uns seine Verdienste lobpreisen, damit wir die in dieser Welt notwendige Hilfe nicht verlieren und in der künftigen die ewige Freude genießen können, zum Lob und Ruhm unseres Herrn
Jesu Christ, der mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in Ewigkeit Amen.