Über den Seligen Hroznata

(Text: Dr. Milan Hlinomaz)

 

Der Klosterbegründer, seine Person und Zeit

„Durch seine ausdauernde Geduld gilt er für alle, die ihn kennenlernten, als bewundernswert und unveränderlich."
(Das Leben des Bruders Hroznata)

Der Selige Hroznata von Ovenec (heute das Viertel Bubeneè in Prag), von den gegenwärtigen Historikern "von Teplá" genannt, gehört zu den weniger bekannten Persönlichkeiten "des böhmischen Himmels", obwohl er zwei wichtige und berühmte Klöster - Teplá und Chotìšov - gestiftet hat. Dazu hat vor allem die Tatsache beigetragen, dass sein Kult auf einem überwiegend deutschsprachigen Gebiet des Egerlandes gepflegt wurde und dass er so von den Hauptströmungen der Verehrung der bekannten böhmischen Landespatrone (hl. Wenzeslaus, hl. Adalbert, hl. Ludmila, hl. Johann von Nepomuk u.a.) durch seine territoriale Gebundenheit gewissermaßen isoliert war. Ähnlich eingeschränkt war auch der Kult der hl. Zdislava von Lemberk.

Eine gekürzte Paraphrase der erhaltenen Handschrift über sein Leben mit dem Titel "Das Leben des Bruders Hroznata", soll uns an seine Persönlichkeit erinnern:
bl. Hroznata Eine gekürzte Paraphrase der erhaltenen Handschrift über sein Leben mit dem Titel "Das Leben des Bruders Hroznata", soll uns an seine Persönlichkeit erinnern: Der wohlgeborene böhmische Adelige Hroznata, den sowohl der Bischof Jindøich Bøetislav als auch der König Ottokar I. der Przemyslide ihren Freund nannten, entschloss sich nach dem Tode seiner Ehefrau und des einzigen Sohns, die bisherige Lebensweise zu ändern. Als ein wahrer Ritter des 12. Jahrhunderts begab er sich auf einen Kreuzzug in das Heilige Land als Gottes Diener. Am Meer unweit von Rom erschrak er aber vor den Schwierigkeiten der langwierigen Reise und ersuchte den Papst Cölestin III. um einen Dispens vom Versprechen der Teilnahme am Kreuzzug. Er wurde ihm erteilt unter der Bedingung, er solle auf seinen Gütern ein Prämonstratenserkloster gründen. Da Hroznatas Testament vom März 1197, niedergeschrieben vor der Abfahrt zum Kreuzzug, das gegründete Kloster schon erwähnt, dürfte sich diese Änderung bereits auf das Versprechen eines vorherigen Kreuzzuges vom Anfang der 90-er Jahre des 12. Jh. bezogen haben. Für das Gründungsjahr der Tepler Kanonie wird auch traditionell das Jahr 1193 gehalten. Im Rahmen seines zweiten Kreuzzuges erreichte Hroznata im Sommer 1197 beim Papst Cölestin III. in Rom für seine Stiftungen wichtige Privilegien: den päpstlichen Schutz, das Pontifikalrecht für Äbte und Ablässe für Pilger, die das Tepler Kloster besuchen. Dies war allerdings das einzige Ergebnis seiner zweiten Reise zur Befreiung des Grabes Christi, denn dieser Kreuzzug wurde nach dem Tode des Heerführers Kaiser Heinrich VI. in Messina auf Sizilien aufgelöst.

Nach der Heimkehr gründete Hroznata nach dem Jahr 1200 ein weiteres Kloster in Chotieschau, diesmal für Frauen, denn bei den Prämonstratensern war es üblich, zu den Männerklöstern je ein Frauenpendant zu errichten. In Chotieschau fanden auch Hroznatas Schwestern, die verwitwete Vojslava und Judith, die Zuflucht. Damals begab sich Hroznata wieder und zum letzten Mal auf die Reise nach Rom, wo er aus den Händen des Papstes Innozens III. ein Ordensgewand der Prämonstratenser übernahm.

In seiner Heimat trat er in das eigene Kloster in Teplá ein und wurde Probst und Verwalter des Vermögens seiner beiden Stiftungen. Vielleicht gerade wegen der Vermögensverwaltung bzw. der Ausübung der traditionellen Gründersrechte, die mit dem kanonischen Recht ziemlich kollidierten, kam es zu Unstimmigkeiten zwischen ihm und dem ersten Abt Johann. Die Ordensregeln einhaltend, verließ Hroznata sogar für eine bestimmte Zeit das Kloster, um Konflikte mit dem Abt zu meiden und die Ordensdisziplin nicht zu verletzen, doch am Ende wurde er in aller Ehre zurückberufen.

Mìdiryt 1769 Am 4. Mai 1217 wurde er in Chotieschau nach einer schweren Krankheit und in der Todesahnung mit den heiligen Sakramenten versehen. Kurz darauf wurde er bei der Visitation des Klostervermögens in Hroznìtín von den Feinden festgenommen: "...aus dem Egerlande, wo sie ihn hassten, weil er die Klostergüter bei ihren Überfällen tapfer verteidigte", und die ihn "nach Deutschland (Egerland, Anm. des Autors) verschleppten, in den Kerker warfen und mit Hunger, Durst, Kälte quälten und ihm verschiedenes Leid zufügten, um Geld von ihm zu erpressen." Das geforderte Lösegeld für seine Befreiung wurde vom Kloster aber nicht rechtzeitig bezahlt (der Legende nach auf Hroznatas eigenen Wunsch), und so bekamen seine Mitbrüder für das Lösegeld nur noch seinen Leichnam. Der Überlieferung nach starb Hroznata im Gefängnis auf der Burg Kynšperk (Königsberg, heute Starý Hrozòatov) am 14. Juli 1217. Die neueste Theorie von P. Kubín vermutet Hroznatas Tod auf der nahe gelegenen Burg Hohenberg in Deutschland. Hroznata wurde in der Klosterkirche des Tepler Klosters vor dem Hochaltar (wie es bei den Gründern üblich war) bestattet und bald danach wurden, wie die Legende erzählt, bei seinem Grab die ersten Wunder festgestellt. Seine Schwester Vojslava, die 10 Jahre später verstarb, wurde auf eine ähnliche Weise in der Chotieschauer Klosterkirche bestattet und ihre sterblichen Überreste am 8. Juli 1793, nach der Aufhebung des Klosters, in das Grab ihres Bruders in das Tepler Kloster gebracht. Dabei musste mindestens zum Teil Hroznatas steinerner Sarkophag geöffnet werden, wie es eine zeitgenössische Zeichnung in den Klosterjahrbüchern belegt. Diese Tatsache ist der Aufmerksamkeit der Forscher bisher entgangen.

Inwieweit das legendäre Leben Hroznatas der Wirklichkeit entspricht, lässt sich kaum beurteilen. Diese Problematik ist schon jahrzehntelang ein Objekt von historischen Forschungen. Die grundsätzliche Faktographie scheint allerdings sehr wahrscheinlich. Es steht fest, dass er bereits kurz nach seinem Tode als ein Heiliger im Tepler Kloster verehrt wurde. Auf Grund dieses nachweislich langzeitigen Kultes kam es zu Hroznatas Seligsprechung.

Die Ursache, dass der Hroznata-Kult in der tschechischen Gesellschaft weniger wahrgenommen wurde, war die Verschlechterung der tschechisch-deutschen Beziehungen Ende des 19. Jahrhunderts. Gerade zu dieser Zeit, im Jahre 1897, also im Milieu des aus nationaler Sicht überwiegend deutschen Klosters Teplá, wurde Hroznata seliggesprochen. In der Zeit der verstärkten nationalen Streitigkeiten ging irgendwie die Tatsache verloren, dass sich um dessen Seligsprechung neben der deutschen Konventsmitglieder eben zwei tschechische Prämonstratenser aus Teplá, nämlich der Bibliothekar Filip Klimeš und der Prior Hugo Karlík, durch Sammeln von historischen Unterlagen verdient machten, wie es den zahlreichen Archivquellen zu entnehmen ist. Bei der Führung des Heiligsprechungsprozesses selbst erwarb dann große Verdienste der tschechische Jesuit P. Johann Baptist Votka.

Zur Ehre der deutschen Bevölkerung des Egerlandes sei bemerkt, dass sie bei der Verehrung des böhmischen Seligen dessen nationale Abstammung außer Frage stellte, was auch die meisten deutschsprachigen Autoren bestätigen, die sich mit Hroznatas Person befasst haben.

Was die historische Entwicklung der Meinungen zu Hroznatas Persönlichkeit betrifft, sind hier mehrere Zeitperioden zu unterscheiden:

  1. Das Mittelalter mit der panegyrischen (Lob-, Fest-) Legende, weitgehend zweckmäßig zu Gunsten des Klosters, wie es damals üblich war, z.B. als Motivierung für die Pilgerwallfahrten.
  2. Die Spätrenaissance und der Barock mit den für ihre Zeit üblichen blumigen Paraphrasen der gotischen Legende.
  3. Die Zeit der Bemühungen um Hroznatas Seligsprechung von 1638 bis 1897, wo ab dem 18. Jh. die protokritischen Methoden mit Benutzung des urkundlichen Materials erkennbar sind, und ab dem 19. Jahrhundert dann Versuche um eine historisch-kritische Methode.
  4. Von der Beatifizierung bis 1945: die erste Hälfte des 20. Jh. war dem Kult des Seligen Hroznata in Folge der zwei Weltkriege und der allgemeinen Abkehr von den traditionellen religiösen Werten nicht besonders wohlgesonnen. Trotzdem entstanden mehrere bedeutende Werke und Abhandlungen, überwiegend jedoch künstlichen oder kompilativen Charakters. Von ihnen ist die historisch-kritische Studie des Tepler Konventmitglieds J. R. Langhammer besonders zu erwähnen.
  5. Nach 1945 kam es zur Belebung Hroznatas Kultes, indem er am 8. September 1946 zum Märtyrer für die Gerechtigkeit und zum Schutzherrn der politischen Häftlinge aus der Nazi-Zeit erklärt wurde, und zwar dank dem Engagement des damaligen Tepler Priors Heøman Josef Tyl. Für vier folgende Jahrzehnte wurde dieser Kult aber durch das kommunistische Regime in den Untergrund verdrängt. Trotzdem konnte Hroznatas Persönlichkeit im Rahmen der vom Regime erlaubten Normen wenigstens auf historischem Gebiet teilweise erforscht werden und von den Heimatforschern oder auf halboffizieller Ebene des künstlerischen Schaffens zur allgemeinen Kenntnis gebracht werden. Beachtenswert ist das beständige Interesse an Hroznata unter den ausgesiedelten Sudetendeutschen. Erst nach 1990 wurde Hroznatas Kult erneut legalisiert, wieder durch Verdienst des Abtes Tyl, und um die Tradition der politischen Häftlinge aus der kommunistischen Zeit erweitert.

Die politische Wende im Jahre 1989 brachte mit der demokratischen Freiheit auch die Möglichkeit mit sich, die historischen Fragen um den Seligen Hroznata und deren Lösung aus neuer Sicht zu behandeln. Das hat sich in der Einfügung Hroznatas in die neueste historische Synthese dieser Zeitperiode und in der Entstehung einer Diplom- und anschließend einer Doktorarbeit niedergeschlagen, die sich mit der Problematik Hroznatas geschichtlicher Wirkung bisher am ausführlichsten kritisch befassen. In den beiden Arbeiten werden einige Hypothesen aufgestellt, deren Wahrhaftigkeit nicht abzustreiten ist. Man muss aber zugeben, dass eine verantwortliche Gesamtbewertung Hroznatas Lebens an der mangelnden Aussagekraft der ansonsten relativ reichen Quellenbasis scheitert. So bleibt noch weiterhin viel Raum für vieldeutige Erläuterungen von den verschiedensten Positionen und ideologischen Standpunkten aus. Die Bewertung der historischen Parallelen Hroznatas Stiftungen in breiteren gesamteuropäischen sowie in böhmisch-mährischen Ordenszusammenhängen ist nach wie vor für unzureichend zu halten. In diesem Hinblick ist es bei bloßen Andeutungen geblieben.

Es ist erfreulich festzustellen, dass das 100-jährige Jubiläum Hroznatas Seligsprechung dessen Erklärung zum Schutzherrn der Pilsner Diözese mit sich brachte und die Entstehung von 4 Facharbeiten veranlasste.

Wir wollen also in den folgenden Kapiteln versuchen, die neuesten Erkenntnisse über einige Abschnitte Hroznatas Lebens und dessen historischer Wirkung in der westböhmischen Region zu erfassen.

Das Geschlecht Hroznata

Laut Hroznatas Testament (1197), das für die Gründungsurkunde des Tepler Klosters gehalten wird, sowie laut der Legende Vita fratris Hroznatae (1259) entstammte Hroznata den höchsten böhmischen Gesellschaftsschichten der damaligen Zeit. Er war ein Sohn der Dobroslava aus dem Hause Czernin und des fürstlichen Höflings Sezema, der am 23. Januar 1160 in der Schlacht bei Lodìnice unweit von Beroun gefallen war. Hier stellt sich die Frage, wann Hroznata eigentlich geboren wurde: ob um das Jahr 1160, wie die älteren Autoren angeben, oder etwa 5 oder 10 Jahre später, wie es die neueren Forschungen bevorzugen. Aus biologischer Sicht wäre vielleicht mit einer Zeitspanne von 1160 bis 1170 zu rechnen.

Tatsache bleibt, dass Hroznata zum ersten Mal im J. 1197 urkundlich erwähnt wurde, ohne Zweifel im vollkräftigen Mannesalter.

Die erste narrative Quelle, die sein Leben umfassender behandelt, ist erst die nach seinem Tod entstandene Legende Vita fratris Hroznatae (Das Leben des Bruders Hroznata), welche von einem Konventmitglied niedergeschrieben wurde, der noch ein Zeitgenosse von Hroznata war. Von dieser Legende entwickeln sich alle weiteren Kenntnisse über den Heiligen, die mehr oder weniger deren Paraphrasen sind.

In der Zeit der Renaissance und des Barock wurde Hroznatas Abstammung von der Verwandtschaft mit dem herrschenden Geschlecht der Pøemysliden abgeleitet. Da es sich aber um die goldene Zeit der genealogischen Legenden und Fiktionen handelt, sollte man diese Angaben kritisch betrachten (wie z.B. die sog. Ursinische genealogische Legende bei den Rosenbergern). Hroznatas angebliche Genealogie fand auch in der Ikonografie ihren Niederschlag, wie es Hroznatas Wappen auf dem Statuensockel der hl. Ludmila in der Kirche von Ledce bei Pilsen belegt.

Aus den neuesten gründlichen Forschungen von P. Kubín und aus der Gegenüberstellung mit der anthropologischen Erforschung Hroznatas sterblicher Überreste durch E. Vlèek ergäbe sich, dass die barocken Autoren recht hätten. Man kann wirklich der Hypothese über Hroznatas Abstammung von der unehelichen Linie der Pøemysliden zustimmen, die sich auf anatomische Familienzüge, besonders auf die physische Form des Schädels und die hohe Gestalt stützt. Auch vom historischen Gesichtspunkt aus würde dies seine wirklich bedeutende Stellung am Prager Fürstenhof bestätigen, wo gemäß den damaligen Gewohnheiten der sog. Nepotismus, d.h. die Bevorzugung von Verwandten, gepflegt wurde. Auch der letzte fundierte Aufsatz eines der bedeutendsten Kenner des 12. und des 13. Jahrhunderts Josef Žemlièka steht mit dieser Hypothese nicht im Widerspruch.

Hroznatas Geburtsort ist in der Gegend um Litomìøice (Leitmeritz) zu suchen, woher sich die politische und die Vermögensmacht seiner Vorfahren, genau des Leitmeritzer Kastellans Blah ausbreitete. Daraus ergibt sich ganz logisch, dass sein reichlich mit Nachkommen beschenktes Geschlecht aus der fruchtbaren Region um Leitmeritz durch die Kolonisation in die dünner besiedelten Gebiete Böhmens expandierte, Hroznata namentlich in das rauhe Klima von Teplá, das damals ein strategisch wichtiges Landestor bildete, da das benachbarte Egerland damals noch ein Reichsgebiet war (an Böhmen wurde es erst 1322 angeschlossen). Die Zuteilung des Tepler Gebietes in die Verwaltung erforderte ein Vertrauen des Prager Hofes, das Hroznata zweifellos voll genossen hatte. Eigentlich handelte es sich in diesem historischen Kampf darum, welches von den benachbarten Ländereinheiten dieses Gebiet auf die Dauer beherrschen wird. Daraus ergaben sich höchstwahrscheinlich auch die ständigen kleinen Grenzstreitigkeiten mit den Egerer Adeligen, die Hroznata die Gründungstätigkeit bis zu seinem schicksalhaften Lebensende erschwerten.

Konrads Statuten in Sadská vom Sommer 1189 legten also noch zu Hroznatas Lebzeiten die Erblichkeit des Grundbesitzes fest. Das ermöglichte die Kontinuität der Geschlechter aus der Sicht der erblichen Besitztümer (weshalb auch der Bedarf der Rechtsakte durch die urkundliche Eintragung des Feudalbesitzes zunahm) und der davon sich ableitenden Geschlechtsnamen und Wappen.

Es hat sich eine soziale Schichtung des Adels gebildet, der bereits seit dem ausgehenden 12. Jh. als niederer (die Gefolgschaft der Mitglieder des Herrscherhofes) und höherer (Mitglieder des Herrscherhofes) bezeichnet wurde. Es handelte sich demnach um die Uranfänge des späteren Herren- und Ritterstandes.

Das Wappen

Peèe 1391 Hroznatas Lebensgeschichte spielte sich genau in der Zeit der Konsolidierung des böhmischen Geschlechtsadels ab, wo zugleich mit seinen Erbschaftsansprüchen an den gehaltenen Grundbesitz auch die äußere Repräsentanz durch ein Wappen an Bedeutung gewann. Dies wurde auch durch den Import solcher Gewohnheiten von den Heimkehrern aus den Kreuzzügen unterstützt, wo die Familienheraldik mit ihren markant unterschiedlichen Farbfeldern in Form von Figuren und Symbolen bei der Identifizierung der einzelnen Kämpfer oder deren Gefolge eine wichtige Rolle spielte.

In Hroznatas Annahme des Wappens mit drei Geweihen, obwohl nur in einer vorheraldischen Form eines Siegelwappens (d.h. nicht im Schild) auf der Gründungsurkunde des Tepler Klosters bzw. auf der sog. Testamentliste von Hroznata erhalten, ist ein Verständnis und ein Akzeptieren dieser zeitgenössischer Gewohnheit bzw. deren Umsetzung zu sehen.

Tatsächlich sieht es so aus, dass Hroznata an der Spitze der Rezeption des juristischen Systems der Beurkundung stand, das in Böhmen aus dem Hofmilieu über die bedeutendsten kirchlichen (Olmützer Bischof Jindøich Zdík unter den Prämonstratensern) sowie die weltlichen Magnaten durchgesetzt wurde, von denen gerade Hroznata und sein Vorfahre und Verwandter Hroznata Kadeøavý (lat. "Crispus", "der Kraushaarige") zum J. 1189 anzusehen sind. Es belegt auch aus der Sicht der Diplomatik, d.h. der Urkundenlehre, die bei uns allgemein anerkannte Bedeutung seines "Testaments" (der Gründungsurkunde des Tepler Klosters) als der ersten böhmischen Urkunde, die nicht vom Herrscher oder vom Bischof, sondern von einer Privatperson bzw. einem weltlichen Lehensherrn besiegelt wurde.

Als eine wirklich heraldische Abbildung des Klosters ist das Zeichen der drei Geweihe auf Konventsiegeln aus dem 14. Jh. und im Tepler Urkundenbestand belegt. In Farben erscheint das Wappen erst zum J. 1491 in den Tepler Choral- und Staffelgesangbüchern des Manuskriptbestandes in der Klosterbibliothek. Die Konventwappen wurden logischerweise von den Gründerwappen abgeleitet.

Das Symbol der drei Geweihe erscheint in den Geschlechtswappen Hroznatas Verwandter, der wahrscheinlich aus der Nachkommenschaft Hroznatas Bruders Ernst stammenden Herren von Guttenstein, die die Gründertradition übernahmen und deshalb ihre Familiengrabstätte im Tepler Kloster hatten. Diese Geschlechter sind nach und nach ausgestorben. Am längsten lebte die Familie Vrtba, deren Besitztümer in Køimice im J. 1830 eine der Linien des Geschlechts Lobkowicz geerbt hat. Einen der ältesten Belege Hroznatas Wappens befindet sich u.a. in der berühmten Wappengalerie in der Burg Lauf bei Nürnberg. Auch in den Wappen der ehemaligen Untertanenstädte Teplá (seit der 2. Hälfte des 14. Jh. auf Siegeln) und Hroznìtín (1386) fand das Wappen des Gründers eine Anwendung.

Der Name Hroznata

Es handelt sich um einen archaischen altböhmischen Namen, der in Böhmen zwar häufiger in der Zeit des frühen Mittelalters, d.h. im 12. und 13. Jh., aber vereinzelt auch noch im 16. Jh. belegt ist, wie z.B. bei einem niedrigeren Adeligen aus dem J. 1521. Der Name wurde in den erwähnten Geschlechtern überliefert und auch von dem letzten männlichen Mitglied, dem Grafen Joachim Hroznata von Guttenstein (+1747) getragen.

In der Mitte des 19. Jh. wurde in einer Zeitschrift über die Ethymologie des Namens eine fachkundige Abhandlung veröffentlicht, die nach der älteren Form "Groznata" seine Herkunft von der wortgetreuen Übersetzung des lateinischen "Methudius", d.h. "Strachota" (Angst, Schrecken, Respekt erweckend) ableitet.

Vojslava Was die ethymologische Bedeutung betrifft, vertreten die moderne Literatur sowie die Sprachwissenschaftler die anscheinend veraltete Meinung von B. Hrabal. Neuerdings hat es die Äußerung von Prof. Dr. Dušan Šlosar, eines Experten für das Altböhmische von der Masaryk-Universität in Brünn, bestätigt: "Die Motivation eines vom Adjektivum "hrozný" ("schrecklich") abgeleiteten Eigennamens war es, ein Respekt zu erwecken (bei einem Adeligen ein erwünschter Charakterzug), bzw. noch ein kleines Kind vor einer äußerlichen Bedrohung zu schützen. Seine Eltern, die dem Groznata (so wird er auch in der Gründungsurkunde des Tepler Klosters, Bemerk. des Autors) oder Grozòata (so dürfte er zu seiner Zeit genannt worden sein) einen solchen Namen gaben, konnten übrigens seine so fromme Lebensweise noch nicht voraussehen. Sie gaben ihm einen Namen, der in ihren Kreisen üblich war. (Das kann man auch beim Namen seiner Schwester Vojslava beobachten. Ihr Name besteht wieder aus einer Zusammensetzung, was nur für Personen vornehmer Herkunft vorbehalten war. /Hier vgl. den Namen Hroznatas Mutter Dobroslava, der dieser Charakteristik ebenfalls vollkommen entspricht. Bemerk. des Aut./) Das Wort "hrozen", ursprünglich wohl "grozden" ("Traube"), war in Böhmen im 12. Jh. noch nicht so gängig; der Anbau der Weinrebe wird hier noch nicht so verbreitet gewesen sein, und es ist auch nicht belegt, dass sie eine Bildung von Eigennamen motiviert hätte."

In der klimatisch rauhen Tepler Region (auch wenn das damalige Klima wahrscheinlich wärmer war als das gegenwärtige), die sich erst am Anfang der Kolonisierung befand, also der Waldrodung, kann man den Weinrebeanbau in der damaligen Zeit ganz ausschließen. Möglich wäre es schon an den Orten, wo Hroznata geboren wurde und seine Kindheit verbrachte, d.h. in der Leitmeritzer Gegend. Wie aber schon oben erwähnt wurde, ist es historisch nicht belegt.

Die semantische Ableitung Hroznatas Namens von einer Traube hat sich eher erst nach seiner Seligsprechung durchgesetzt. Als Beispiel ist wohl die bekannteste poetische Ethymologie im Gedicht "Vìzeò, èili Kalvárie v skrytém údolí" ("Ein Gefangener, oder Galgenberg im verborgenen Tal") von Jan Lebeda anzuführen: "Mein Name klingt nach dem Wort Traube...".

Diese ideale, jedoch falsche Erklärung scheint auch in die fremdsprachige enzyklopädische Literatur eingegangen zu sein. Bemerkenswert sind zahlreiche Übersetzungen der Legende über Hroznata in verschiedene Sprachen (veranlasst und redigiert vom Tepler Bibliothekar Klimeš), neben den europäischen und den Weltsprachen auch in mehrere slawischen.

Als Tepler Parthenon gründete Hroznata vermutlich zwischen den Jahren 1200 und 1202 auch das Frauenpendant von Teplá (wie es in der Zeit üblich war), nämlich das Kloster in Chotìšov (Chotieschau), wo seine Schwester Vojslava, Witwe des Krakauer Kastellans Heinrich Kietlicz, wahrscheinlich als Familiarin - obwohl oft falsch als Priorin genannt - bis zu ihrem Tode gelebt hat. Im Rahmen des Prämonstratenserordens wurde sie posthum unoffiziell mit der Legende der "Seligkeit" bedacht, wohl im Zusammenhang mit der Person ihres Bruders, und zwar in ihrer Bezeichnung "ehrwürdige". Vojslavas Leben und ihre geistliche Tätigkeit erscheinen als ein bisher wenig bearbeitetes hagiografisches und historisches Thema.

Chotìšovská legenda Die Geschichte des Chotieschauer Klosters scheint aus der Sicht der modernen Historiografie wenig erforscht zu sein, auch wenn zum Jahre 2002, anlässlich dessen offiziell anerkannten 800-jährigen Gründungsjubiläums, dieser Mangel durch die Veranstaltung einer wissenschaftlichen Konferenz behoben wurde.

Hroznata erlag den körperlichen Qualen wahrscheinlich am Freitag, dem 14. Juli 1217. Auf Grund der jahrhundertelang bewiesenen Verehrung nicht nur in den beiden erwähnten Klöstern und bei den Gründergeschlechtern, sondern auch in den Prämonstratenserhäusern im Ausland, wo man dem Ordensnamen "Hroznata" spätestens seit 1654 begegnet, genehmigte Papst Leo XIII. am 16. September 1897 die Seligsprechung Hroznatas als Märtyrer für die Gerechtigkeit.

Die Verehrung des "böhmischen Seligen" Hroznata wurde auch während der verschlimmerten böhmisch-deutschen Beziehungen und in einem aus nationaler Sicht überwiegend deutschen Konvent bewahrt, und dies sei ihm zur Ehre anzurechnen.

Hroznatas sterbliche Überreste gerieten in eine direkte Gefahr nach der gesetzwidrigen Auflösung des Klosters am 13. April 1950, als das Klosterobjekt in die Hände der tschechoslowakischen Armee überführt wurde. Glücklicherweise gelang es dem geistesgegenwärtigen Tepler Pfarrer und dem Konventsmitglied P. Metodìj Cetl, die Reliquien des Seligen mit dem kommandierenden Offizier gegen zwei Flaschen mit Spirituosen auszutauschen und sie in einer Aktentasche in die Stadtkirche St. Ägidius zu bringen, wo sie die schlimmsten Zeiten des kommunistischen Tobens geborgen blieben. Mit der allmählich zunehmenden Toleranz des kommunistischen Regimes, erzwungen durch den internationalen politischen Druck, wurde im J. 1983 - ein Verdienst des Tepler Dechants P. František Kolanda, eines treu ergebenen Wächters und Verkünders Hroznatas Vermächtnisses - eine fachkundige Untersuchung seiner Skelettüberreste durch den Prager Anthropologen Prof. MUDr. Emanuel Vlèek aufgenommen, dessen Beschlüsse in Form eines maschinell geschriebenen internen fachlichen Berichts im Nationalmuseum eine lange Zeit liegen blieben. Erst nach der politischen Wende konnte der Bericht neben ähnlichen Facharbeiten über anthropologische Untersuchungen der anderen böhmischen Heiligen veröffentlicht werden.
Erst nach der Rückgabe des Klosters an die Prämonstratenser im J. 1990 und anlässlich der 800-jährigen Gründungsfeier beim Hroznata-Pilgerfest im Juli 1993 konnten die sterblichen Überreste des Stifters zurück in die ihm geweihte Kapelle feierlich übertragen werden, die sich in der romanischen Apsis der Tepler Klosterkirche befindet. Es geschah im Beisein des Prager Metropoliten Kardinals Miroslav Vlk, des päpstlichen Nuntius Giovanni Coppa, zahlreicher kirchlicher Würdenträger aus In- und Ausland, der Mitglieder des Tepler Konvents, vieler Ordensgäste und unter großer Teilnahme der Gläubigen.

So ist die durch den Abt Tyl gegründete Tradition der Wallfahrten am 14. Juli zum Grab des Seligen Hroznata, des Schutzheiligen der politischen Häftlinge, erneuert worden. Alljährlich treffen hier die ehemaligen Häftlinge aus der Zeit des Nationalsozialismus und des Kommunismus ein, um hier ihren Patron zu verehren und ihrer toten Kameraden zu gedenken und die jüngeren Generationen daran zu erinnern, welche unwürdigen und verbrecherischen Regimes in diesem Land noch vor einer relativ kurzen Zeit herrschten. Als Mahnmal an die Vergangenheit wirkt auch eine Dauerausstellung über die Verfolgung der Kirche durch das kommunistische Regime vor dem Eingang zur Klosterführung.

Nach genau hundert Jahren seit Hroznatas Seligsprechung (1997) erklärte Papst Johannes Paul II. in seiner Urkunde (in der Form "breve") den Seligen Hroznata zum Schutzherrn der Pilsner Diözese. Dieser Akt regte die Experten zum erneuten Interesse für Hroznatas Person an, so dass anschließend mehrere fundierte historische Studien, darunter das oben erwähnte Buch von Kubín mit einer kritischen Einstellung zum Lebenslauf des Heiligen entstanden sind. Es belegt nur, dass Hroznatas Persönlichkeit mit ihren überlieferten Moralwerten auch für heute aktuell, vielsagend und inspirierend ist. Trotz der langen Zeit von 8 Jahrhunderten ist es spürbar, dass die existenziellen Probleme des menschlichen Daseins und dessen Vergleich mit den Werten der Ewigkeit grundsätzlich unverändert geblieben sind.

Hroznatas physisches Aussehen im erwachsenen Alter

Aus den schriftlichen Quellen ist über das physische Aussehen Hroznatas so gut wie nichts zu erfahren. Teilweise Erkenntnisse darüber wurden durch Untersuchungen der Skelettüberreste gewonnen. Die letzte Untersuchung wurde vom Anthropologen Prof. MUDr. Emanuel Vlèek im J. 1984 durchgeführt. Den in einem Buch veröffentlichten Ergebnissen entnehmen wir Angaben, die eine Vorstellung über sein Aussehen ermöglichen: "Trotz der Unvollständigkeit des Schädels ist auf einen länglichen Schädel mit einer rundlichen und senkrechten Stirn zu schließen. Das Gesicht Hroznatas war länglich (98,3), der obere Teil des Gesichts (54,6) mit ziemlich hohen eckigen Augenhöhlen (84,6) und einer niedrigeren (53,7) Nase. Neben den typisch männlichen Zügen hatte er aber eine senkrechte Stirn und vor allem Stirnkonturen, die ganz kontinuierlich in das Profil des Rückens der Nasenknochen überging. An der Nasenwurzel fehlt also der deutlich eingeschnittene Nasion, auch die Gegend der Glabelle ist im Gesicht nicht markant formiert. Hroznatas Gesicht war länglich, in der Gegend der unteren Kiefer kantig, mit einer mittelgroßen Nase, gehobener Basis und leicht konkavem Nasenrücken. Die Stirn war senkrecht, mittelhoch und ihre Konturen gingen kontinuierlich in den Nasenrücken über. Die Mundgegend trat aus dem Profil leicht hervor." - Er war schlanker Figur, etwa 175 cm hoch, mittlerer Statur." - Weitere Angabe von Vlèek, dass man aus der Gestaltung des unteren Teils der Wirbelsäule bei Hroznata auf einen gebogenen Rücken schließen kann, deutet das Aussehen Hroznatas Körpers vielleicht erst aus der Zeit kurz vor seinem Tod an. Außer diesem Fund befand dieser Anthropologe auf dem Skelett des Heiligen keine anderen pathologischen Veränderungen.

Pravdìpodobná podoba bl. Hroznaty Auf Grund dieser Untersuchung wurden die Erkenntnisse über das physische Aussehen Hroznatas präzisiert, die beim Öffnen seines Grabes 1898 und bei der Revision seiner Überreste durch den Anthropologen Prof. Jiøí Malý 1946 im Zusammenhang mit deren Konservierung gewonnen wurden. Die bei der Exhumierung Hroznatas Überreste im J. 1989 gemessene Länge des Skeletts - 190 cm - kann nicht für die Höhe Hroznatas Figur gehalten werden. Die Forschungen von E. Vlèek sprechen nicht dafür, dass Hroznata so groß gewesen wäre, wie es nach der Exhumierung manchmal angeführt wurde (bis 190 cm). Vlèek neigte zur Berechnung nach den für europäische Bevölkerung gültigen Tabellen, die etwa 175 cm angab. Nach Tabellen, die für die amerikanische Bevölkerung berechnet wurden, hätte Hroznatas Höhe 180 cm erreicht. Die Länge des Sarges von 235 cm weist Vlèek zufolge nicht auf die Höhe des darin bestatteten Leichnams hin.
Die ziemlich senkrechte Stirn mit den zügig in den Nasenrücken übergehenden Konturen deutet eher ein zartes Gesicht an.

Hroznata als weltlicher Magnat, sein das "Landestor" überwachender Sitz, seine Liegenschaften
(bis zur Klostergründung 1193)

Hroznatas Schwester Vojslava wurde an einen Burgverwalter nach Krakau verheiratet, was eine überraschende Raumbeweglichkeit zeigt.¨

Zur Übergabe seines fast ganzen Vermögens an Christus wurde Hroznata durch den Tod seines Sohnes (Nachfolgers und Erben) motiviert, was im 13. Jh. auch bei Kojata von Most, Fridrich von Chomutov oder Smil von Støílky der Fall war.

Nach Vojslavas Rückkehr aus Polen beschlossen die beiden Geschwister, auch eine Kanonie für die Prämonstratenserinnen zu gründen, die mit dem Tepler Kloster auf die Dauer ein Paar bilden würde. Das Damenstift entstand in Chotìšov, wohin Hroznatas Schwestern Vojslava und Jitka eintraten.

Nach der erfolgreichen Verhandlung beim Papst Cölestin III. kehrte Hroznata direkt in die böhmische Heimat zurück, vermutlich um seine Stiftung in der unsicheren Zeit des Herrscherwechsels zu schützen.

Nachdem Hroznata aus Rom zurückgekehrt war, versuchte er festzustellen, wo sich eben zu der Zeit König Przemysl befand, der noch auf die "bewegliche" Weise regierte, d.h. durch Bereisen des Landes und Ausübung der Herrscherakten direkt an Ort und Stelle je nach Bedarf (Beschlüsse, Gründungen, Urteilssprüche usw.). Hroznata war also einer der Darsteller der regionalen Elite, die sich an allgemeinen Angelegenheiten beteiligte, mit heutigen Worten gesagt, die einen politischen Einfluss in den höchsten staatlichen Ebenen hatte.

Hroznata pendelte höchstwahrscheinlich auch während seiner weltlichen Tätigkeit in Teplá als Beschützer des Grenzgebiets zwischen seinem ursprünglichen Sitz auf dem Gutshof Nová Hora nad Labem (im Zentrum der heutigen Stadt Litomìøice), der sein wirtschaftlicher Hintergrund war, dem erwähnten Ort Teplá und dem Gut Bubeneè bei Prag, das er damals als Sitz beim Erledigen der Hofangelegenheiten in Prag benutzte.

Dabei befestigte Hroznata seine wirtschaftliche Stellung in der ihm anvertrauten Tepler Region und dadurch auch seine Macht, um die westliche Staatsgrenze zu sichern, indem er seine ehemaligen Mitkämpfer und Diener in der Gegend ansässig machte.
Zur Gründung des Tepler Klosters und zur Wahl des Prämonstratenserordens wurde Hroznata sehr wahrscheinlich von seinem Mithöfling Jiøí von Milevsko inspiriert, der auch in der Zeugenreihe in Hroznatas Testament erscheint (zusammen mit Slavek, dem Gründer des Zisterzienserklosters Osek) und der neben seinem Sitz in Milevsko bereits in den 80-er Jahren des 12. Jh. eine Kanonie stiftete.

Da Jiøí von Milevsko die Prämonstratenserkanoniker in seinen Sitz noch vor dem Erbau des eigentlichen Klosters eingeladen hatte, stellt sich hier eine bisher unbeantwortete Frage, ob es auch beim Hroznata von Teplá nicht der Fall hätte sein können. Als glaubwürdig bietet sich jedoch auch die Gegenlösung, die übrigens durch Hroznatas späteren Eintritt in den Orden bestätigt wurde, nämlich dass das Tepler Kloster nach einer bestimmten Bauetappe nicht nur zum bedeutenden Besiedlungspunkt in der Landschaft (mit Rechtskräften eines Burgzentrums), sondern auch zur bedeutenden Residenz des Stifters selbst geworden war, worauf auch die großartige Baukonzeption der Klosterkirche hinweisen könnte.
An der Großartigkeit gleicht Teplá (zusammen mit Osek) als eine private Stiftung den anderen Klöstern der Przemyslidischen Stifter Louka und Velehrad.

Hroznata ist auch der erste belegte böhmische Magnat, der eine Urkunde in seinem Namen herausgab, was von seinem wirklich höflichen Bewusstsein und Selbstbewusstsein zeugt. Die Urkunde als Dokument und Symbol einer hohen Kultur wurde zum Ausdruck des Willens eines "Adeligen vom Lande", auch wenn sie aller Wahrscheinlichkeit nach auf der Prager Burg unterschrieben wurde, angesichts der repräsentativen Reihe von Zeugen und Mitsieglern.
Er war allerdings ein Adeliger aus keinem kleinen Holzhaus, sondern ein hoch kultivierter Höfling mit kirchlicher Ausbildung, der vom Prager Hof aufs Land kam. Seine Initiative als einer nicht herrschenden Person, wenn auch dem nächsten Herrschersumkreis angehörend, ist aber beispielhaft. Hroznata überholte in diesem Sinne seine Zeit um ein ganzes Jahrhundert, indem er zu den Urkunden eine eindeutig positive Stellung einnahm, was von seiner Nähe zu den kirchlichen Kreisen zeugt, die als Vorläufer der Beurkundung gelten.

Kubíns Worten zufolge wurde Hroznata vom Papst Cölestin mit Wohlwollen aufgenommen und nach einer damals üblichen persönlichen Audienz erließ die Papstkanzlei am 7. August im Lateran drei wichtige Urkunden, die den geistlichen Schutz und das gesellschaftliche Prestige Hroznatas Stiftung erheblich stärkten. Das war sehr wichtig, denn der Schutz der geografischen Grenze jeder beliebigen Liegenschaft durch die himmlische Vorsehung wurde als sehr ernsthaft wahrgenommen (auch wenn nicht in erster Linie). Ausschlaggebend war dabei die Individualität des Angreifers und dessen Motivation zum Angriff.

Der Grundbesitz

Die erste Aufzählung Hroznatas Grundbesitztümer erscheint in seinem Testament von 1197, welches zugleich für die Gründungsurkunde des Tepler Klosters gehalten wird. Es handelt sich neben Teplá und Chotìšov noch um 11 Ortschaften in Nordböhmen.
Das Bistum kaufte von Herrn Hroznata das Gut Pøíbram für 300 Pfund Silber.

J. Žemlièka bemerkt dazu ganz zutreffend, dass Hroznata als wahrscheinlich zweitgeborener Sohn zur Aufgabe des "Hauswartes" von seiner Jugend an dürfte erzogen worden sein. Zudem war das Tepler Gebiet Hroznatas Benefizium, von dem ein Abschnitt eines wichtigen Landesweges verwaltet wurde, womit die Markt- und Zolleinnahmen aus dem Ort Teplá verbunden waren. Diese bildeten ein solides Fundament für Hroznatas weitere Vermögensgewinne.

Heute könnte man sagen, dass Hroznatas Kolonisierung durch Rodung und Bebauung des umliegenden harten Hügellandes eine Art Investitionsvorhaben war, das sich angesichts der landwirtschaftlichen Termine erst nach einer längeren Zeit lohnen konnte. Hroznata schloss an die ältere Kolonisierung an und setzte sie im rascheren Tempo fort.

Die kaum besiedelte Tepler Region wurde dem Kolonisierungsdruck der benachbarten Gebiete, nämlich des Egerlandes und der Oberpfalz ausgesetzt. Ein logischer Gegendruck war also die von dem böhmischen Binnenland ausgehende Kolonisierung, die mittels der Tepler Marktgemeinde und späterer Prämonstratenserkanonie auch eine engere Wirtschafts- und Verwaltungsvereinigung des Gebiets mit sich brachte.

Hroznatas Grundbesitz zählte zum J. 1197 an 50 Posten verschiedenen Ursprungs in West-, Nordwest- sowie in Mittelböhmen.

Den Mittelpunkt dieser ihm anvertrauten Region bildete eine bereits früher hier bestehende Marktgemeinde mit Zügen einer vorstädtischen adeligen Agglomeration, die sich im letzten Viertel des 13. Jh. ziemlich früh zu einem Stadtsystem entwickelte. Als Vergleich kann hier ein ähnliches "burgus" in der Region wie Kadaò oder Kladruby genannt werden. Außerhalb der Region kann man Velehrad oder Vyšší Brod (Hohenfurth) erwähnen. Hroznata hielt hier einen geerbten, wahrscheinlich befestigten Hof, vielleicht auf der Anhöhe oberhalb vom Zentrum der handels-handwerklichen Siedlung, wo sich heute der städtische Friedhof befindet.

Hroznatas allseitige Pflege des anvertrauten Gebiets (welches er durch die Kolonisierung aufwertete) war soweit wirksam, dass die Tepler Abtei nach seinem Tod eine konzentrierte und gut organisierte Magnatendomäne nach ihm erbte, die mit anderen wirtschaftlichen Einheiten dieser Art in dem damaligen böhmischen Staat vergleichbar war. Die Aufsicht der zentralen Staatsmacht war hier damals schwach und erlaubte somit, ähnlich wie bei den anderen "Kastellangeschlechtern", eine Kolonisierung der Grenzwälder. Hroznatas Kolonisierung des westlichen Teils der Tepler Region entspricht völlig dem Trend seiner Zeit und dem allgemeinen Bestreben des frühen böhmischen Adels auf dem Weg zum Grundreichtum und zu stabilen Adelsitzen. Schließlich mussten vernünftige, realistisch denkende Herrscher, welche die damaligen böhmischen Regenten sicher waren, unter diesen Umständen mit ähnlichen, unterschiedlich abgeänderten "illegalen Übertragungen der Kompetenzen" rechnen und sich dessen bewusst werden, dass es im Prinzip dem Staat zum Nutzen ist. Der Zeittrend hieß, den Schwerpunkt der Macht aus der Umgebung des Herrschers und der alten Verwaltungsburgen auch an die kolonisierten grenznahen Gebiete zu übertragen.

Die Ortschaft Teplá erhielt von Hroznata ein Zollhaus an der westlichen Grenze ohne Zustimmung des Herrschers. So war es im Einklang mit der damaligen Entwicklung, wo in den natürlichen Zentren hofähnliche Siedlungen entstanden, in denen die Gelder und Abgaben von Dörfern, Personen, Berechtigungen und Renten konzentriert wurden. Die unzureichende Aufsicht des Herrscherhofes, der mit eigenen Existenzproblemen belastet war, erlaubte manchmal eine pragmatische und ziemlich eigenwillige Usurpationshandlung der Adeligen-Kolonisatoren, die sich nach jeweiligen Umständen den manchmal auch sehr unklar definierten Besitz des Landesherrn zu eigen machten. Hroznatas Höfe, damals seine Wirkungsstätten, befanden sich in der Zeit, d.h. kurz vor der Gründung des Tepler Klosters (März 1193), in Litomìøice, Bubeneè bei Prag, Teplá und Chotìšov.

Die deutsche Übersetzung Hroznatas Testamentes

Im Namen der Heiligen und Unteilbaren Dreifaltigkeit. Ich Hroznata, aus Gottes Gnaden einem berühmten, zu den vornehmen in Böhmen gehörenden Geschlecht entstammend, an alle in der Zukunft sowie in der Gegenwart an Christus Glaubenden.
Da, was aus Gottes Eingebung die Weisen festgelegt haben, länger im Gedächtnis bleibt und eine Missdeutung ausschließt, wenn es aufgeschrieben ist, deshalb will ich, Gottes Wink folgend und in Spuren derjenigen schreitend, die mit heiligem Kreuz bezeichnet sind, und die Grabstätte unseres Heilands zu erblicken sich sehnend, allen in der Zukunft sowie jetzt Lebenden bekannt geben, dass ich den Brüdern, die in Tepl Gott und der Seligen Jungfrau Maria dienen, den genannten Ort mit allem, was dazu gehört, für immer zur Benutzung übergab, soll ich zurückkommen, oder nicht. Sollte sich auf dieser Reise, die ich jetzt antrete, mein Lebensschicksal erfüllen, dann seien alle meine Gründe und Güter mit dem gesamten Viehbestand demselben Kloster für immer gewidmet. Sollte ich zurückkehren, dann werden diese Gründe - außer Tepl und was in dessen Besitz ist - gehörig wieder in meine Verwaltung übergehen. Damit meine Verwandten dem genannten Orte treu behilflich sind, schenkte ich ihnen Folgendes: dem Bleh Blehov, dem Zdeslav und dessen zwei Brüdern den Sprengel Stvolínky, dem Hrdìbor Smilovice, wie gesagt, falls ich nicht zurückkehre. Meinem Kaplan Holofern gab ich Maleèov, dem Martin die Skalice, dem Sohn von Petr den Ort Nezly: diesen dreien gab ich es, sollte ich zurückkommen, oder nicht. Damit nichts Böses gegen Gott und die durch mich gegründete Abtei angerichtet wird, soll derjenige der von mir mit meinen Gütern beschenkten Kämpfer, der den Ackerbau hat, von dem Tepler (Abt) zwei Pfund bezahlt bekommen, um den Ackerbau für immer zu erwerben. Derjenige, der das ganze Dorf hat, soll vom Abt fünf Pfund bekommen und kann, was er will. Im Falle der in den Wäldern gehaltenen Dörfer soll aber das Kloster nichts zahlen. An dasselbe Kloster führe ich meine Diener und Dienerinnen über. Alle meine Güter vertraue ich der Verwaltung des jetzigen Herrn Abtes von Tepl an. Denselben Herrn Abt und meine Getreuen vertraue ich dem Beneš in die Obhut. Sollte meine nach ihrem Ehemann in Polen hinterbliebene Schwester im Heimatland leben wollen, soll sie Chotìšov mit allem Zubehör in Besitz bekommen, falls sie im Witwenstand bleibt. Falls sie heiratet oder als Witwe stirbt, dann sollen die Güter an das Kloster übergehen. Die zweite Schwester Jitka soll durch den Abt von Tepl mit einer auskömmlichen Summe aus den von mir dem Kloster geschenkten Gütern gesichert werden. Sollte jemand eine falsche Nachricht über meinen Tod verbreiten, dann sei sie niemandem geglaubt, bis durch Herrn Abt nicht ein bestimmtes Zeichen gegeben wurde, das ich nur ihm anvertraute. Sollte die Abtei wegen der Güter, die ich Gott gewidmet habe, seitens meiner Verwandten angegriffen werden, dann sollen außer der Missgunst, die sie sich dadurch von dem Allmächtigen verdienen, und das sage ich den Böhmen, die gewidmeten Güter auf die Dauer in die Benutzung des Klosters zurückkehren.
Damit diese Regelung bei den Zukünftigen fest im Gedächtnis bleibt, entschied ich mich, sie schriftlich festzuhalten und mit dem Siegel der Prager Kirche, des Prager Fürsten sowie mit unserem Siegel bestätigen zu lassen und auch die Namen der Anwesenden aufzuführen.
Die Namen der Zeugen sind wie folgt: Jindøich, Fürst und Bischof der Böhmen; sein Bruder Vladislav; mährischer Bischof Engelbert; Spytihnìv; Vladimír; Florián, Probst und Kanzler; Hrabiše, Kämmerer; sein Bruder Slavek; Jiøí z Milevska; Jan, Richter, und Zuda, sein Bruder; Jaroslav; Budivoj und sein Bruder Ben; Beneš, der Sohn von Heøman; Bertold und sein Sohn Sezema; Vítek, der Sohn von Vítek; Pøedbor; Ctibor; Naèeplik; Matouš.
Falls jemand die Absicht hegte, die oben genannten Güter für sich zu ergreifen oder wegzuraffen, soll er mit dem Bann belegt werden.
Gegeben im Jahre 1197, 15. Indiktion, keine Epakten, 2. Konkurrente.

Dr. Milan Hlinomaz